Andrang bei Infoveranstaltung zu Marwitzer Asylunterkunft

Eingestellt am: 26.02.2016 | 13:25



Zu einer Informationsveranstaltung über die im Oberkrämer Ortsteil Marwitz geplante Gemeinschaftsunterkunft hatte die Kreisverwaltung am 23. Februar in die Vehlefanzer Nashorn-Grundschule eingeladen. Da das Grundstück in der Lindenstraße 41 direkt an Veltener Gemarkung grenzt, zählten auch viele Ofenstädter zu den etwa 400 Gästen der Veranstaltung. Unter ihnen Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner.

Landrat Ludger Weskamp zog zunächst Bilanz über die aktuelle Situation im Kreis. Mehr als zweitausend Asylbewerber hat Oberhavel im Jahr 2015 aufgenommen, davon rund die Hälfte allein in den letzten zehn Wochen des Vorjahres. „Ich hatte es nicht für möglich gehalten, dass es uns gelingt, alle Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen“, resümierte Weskamp. Niemand muss in Zelten wohnen. Auf Turnhallen musste man nur kurzzeitig zurückgreifen. Schul- oder Vereinssport war davon nicht beeinträchtigt. Weskamp danke dafür insbesondere den vielen Menschen, die sich in Willkommensinitiativen engagieren.

„Ziel des Landkreises ist eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Asylbewerber“, sagte Sozialdezernent Matthias Rink. Die Entscheidung für neue Standorte trifft dabei der Landkreis. Die Marwitzer Unterkunft soll zum 1. Oktober dieses Jahres fertiggestellt sein. Auf dem Gelände des ehemaligen Penny-Marktes entstehen drei zweistöckige Gebäude in Modulbauweise, die 148 Flüchtlingen Platz bieten. Die Unterkunft wird sukzessive belegt. Neben sechs Quadratmetern Platz für jeden Bewohner gibt es gemeinschaftliche Küchen und Sanitäranlagen, ein Spielzimmer und im Außenbereich einen kleinen Spielplatz. Wie in allen Gemeinschaftsunterkünften sind Wachschutz, Sozialarbeiter und Betreuer vor Ort. Der Kreis organisiert zudem Basis-Sprachkurse an der Kreisvolkshochschule.

Der Neubau kostet rund 2,9 Millionen Euro. Bauherr ist die Oberhavel-Holding, eine Tochtergesellschaft des Landkreises. Finanziert wird die Unterkunft vom Landkreis, der Unterstützung des Landes erhält. „Das ist kein Geld, das anderswo eingespart wird“, betonte der Landrat. Noch nie sei zudem so viel Geld in den Bildungsbereich geflossen wie in diesem Jahr.

Die Präsentation des Kreises zeigte auf, dass die Gemeinden Oberkrämer, Leegebruch und Velten ein gemeinsames Plangebiet bilden. Damit wird die Stadt Velten nicht nur bei der Integration der Flüchtlinge Verantwortung übernehmen, sondern möglicherweise auch mit sozialer Infrastruktur aushelfen. So ist an der Löwenzahn-Grundschule in Velten-Süd bereits seit längerem eine Willkommensklasse eingerichtet. Bürgermeisterin Ines Hübner informierte im Nachgang der Veranstaltung, dass erste Gespräche zu diesem Thema mit ihren Kollegen aus Oberkrämer und Leegebruch bereits stattgefunden haben.

Besorgt zeigten sich etliche Besucher der Veranstaltung um ihre Sicherheit. Mario Bergel, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Oberhavel, erklärte: „Die Polizei unterscheidet bei der Erfassung von Kriminalität nicht nach Nationalitäten.“ Eine Erhöhung von Straftaten im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften sei nicht zu verzeichnen. Er verschwieg nicht, dass die Polizei zu Einsätzen innerhalb der Heime gerufen werde. Bedrohungen oder Ruhestörungen nannte er als Beispiele. Nicht jeder Einsatz führe aber automatisch zur Feststellung einer Straftat.

Werner Moll von der Willkommensinitiative Oberkrämer –Leegebruch und Velten meinte: „Ich fühle mich im Heim sicherer als hinter mancher deutschen Kneipe.“ Um den diffusen Ängsten zu begegnen, lud er ein, Flüchtlinge kennenzulernen und kündigt an, dass die Initiative ihr Engagement auch in Marwitz einbringen werde. „Wir haben eine menschliche Pflicht, Menschen, die aus Kriegsgebieten kommen, aufzunehmen“, meinte dazu eine Bürgerin aus Bärenklau.

Unterrichtsausfall, die Stellung von Flüchtlingen, die Abschiebepraxis und Informationspolitik des Kreises waren weitere Diskussionspunkte. Dabei widersprach Landrat Weskamp entschieden der Aussage, Flüchtlinge würden besser gestellt als Einheimische. „Das stimmt nicht!“

Weskamp erläuterte, dass für den Landkreis die Schaffung von sozialem Wohnraum ein wesentliches Thema ist. „Die Chance heißt Sprache, Integration und die Menschen in Arbeit zu bringen.“ Die Erfahrung zeige zudem, dass viele Befürchtungen und Ängste schwinden, sobald die Flüchtlinge da und die Menschen sichtbar sind.

Daten und Fakten

Zum Stichtag 31.01.2016 waren genau 2.060 Asylbewerber im Landkreis Oberhavel registriert. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 hat Oberhavel 499 und im Jahr 2013 242 Flüchtlinge aufgenommen. Für 2016 sind noch keine Prognosen bekannt.

Insgesamt stellt der Kreis derzeit 2.768 Unterkunftsplätze zur Verfügung. Weitere Kapazitäten sind in Vorbereitung, darunter die Gemeinschaftsunterkunft in Marwitz und der zweite Bauabschnitt der Unterkunft in Bärenklau. Letzterer soll zum August des Jahres mit 120 Plätzen ans Netz gehen.

Der größte Anteil der Flüchtlinge kommt aktuell aus Syrien (37,3 Prozent), gefolgt von Afghanistan (14,4 Prozent) und der Russischen Föderation (7,5 Prozent). Im Kreis leben derzeit Asylbewerber aus 41 Nationen, darunter Menschen aus Pakistan, dem Iran, aus Eritrea, Kamerun und Somalia.

71,8 Prozent der Flüchtlinge sind männlich, 28,2 Prozent weiblich. Bei der Altersstruktur machen die 18- bis 30-jährigen den größten Anteil aus. 20 bis 25 Prozent sind Kinder.

Eine Aufnahme- und Verteileinrichtung mit 210 Plätzen wird der Landkreis zum 1. März in Oranienburg ans Netz nehmen. Dadurch soll eine geordnete Verteilung der ankommenden Menschen gewährleistet werden, erläuterte Sozialdezernent Rink.


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