Korridoruntersuchung des Landes: S-Bahn für Velten ist eine Option

Eingestellt am: 29.11.2016 | 00:00


Die Beharrlichkeit der Stadt Velten hat sich gelohnt: Entgegen der Festlegung aus dem Landesnahverkehrsplan (LNVP) von 2012 ist die Verlängerung der S-Bahn bis Velten jetzt für das Land Brandenburg wieder eine Entscheidungsoption.

Am Montagnachmittag stellte Kathrin Schneider (SPD), Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, die Ergebnisse einer Korridoruntersuchung in Vorbereitung der Fortschreibung des LNVP 2018 bis 2022 vor. In Potsdam vor Ort waren auch Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner und Berthold Zenner, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Bau und Ordnung.

Untersuchungsgegenstand der Korridoruntersuchung für die Erweiterung des S-Bahnnetzes im Berliner Umland war auch der Korridor Hennigsdorf – Velten. Im Ergebnis heißt es: „Die Verlängerung der S-Bahn bis nach Velten bleibt eine Entscheidungsoption im Rahmen der vertiefenden Zielnetzkonstruktion.“ Parallel stehe weiter die Anbindung des Regionalexpress 6 auf einem wieder aufzubauenden Gleis der Kremmener Bahn bis nach Berlin-Gesundbrunnen auf der Agenda, heißt es aus dem Ministerium.

Bürgermeisterin Ines Hübner erklärt: „Ich freue mich über den ersten Schritt des Landes Brandenburg in die richtige Richtung. Ein wichtiger Meilenstein ist geschafft, auch wenn das Ende des Weges noch nicht in Sichtweite ist. Unsere Unnachgiebigkeit in punkto Wiederherstellung des S-Bahn-Anschlusses behalten wir bei!“

Denn die Wiederherstellung des S-Bahn-Anschlusses hat im Rahmen der Stadtentwicklung Veltens entscheidende Bedeutung: Sie ist im aktuellen Integrierten Stadtentwicklungskonzept der Stadt Velten von 2016 als „wichtige Schlüsselmaßnahme“ vermerkt. Auch das Standortentwicklungskonzept für den Regionalen Wachstumskern Oranienburg – Hennigsdorf – Velten betont die besondere strategische Bedeutung der Wiederherstellung des S-Bahn-Anschlusses für Velten. Der RWK O-H-V unterstützt das  Vorhaben aktiv.

Schließlich zählt Velten zu den neun wachstumsstärksten Kommunen im Land Brandenburg; in Oberhavel ist die Stadt Spitzenreiter. Hintergrund sind der steigende Wohnraummangel in der Hauptstadt und die zugleich in Velten in großem Umfang ausgewiesenen Wohnbaupotenzial- und Nachverdichtungsflächen. Das aktuelle INSEK der Stadt Velten geht von einem Wohnbaupotenzial in Velten von rund 2.000 Wohneinheiten aus. Das entspräche bis 2025 sogar einer Bevölkerungszahl von 14.000 bis 16.500 Einwohnern.

Mit dem Entwurf des neuen LNVP ist im Jahr 2017 zu rechnen. Zuvor werden die Entscheidungsoptionen mit dem neuen Berliner Senat, der Deutschen Bahn AG und in VBB-Regionaldialogen weitergeführt. Offen ist mithin die Finanzierung: Die Kosten für S-Bahn-Anbindung Veltens belaufen sich laut Ministerium auf rund 30 Millionen Euro (Untersuchung der Stadt Velten: 15 Millionen Euro bei Mischnutzung auf einem Gleis), für die RE6-Anbindung auf 65 Millionen Euro.

Hintergrund S-Bahn-Anbindung nach Velten

Einen direkten S-Bahn-Anschluss nach Berlin besaß Velten von 1927 bis 1961. Bis 1983 fuhr die Bahn im Inselverkehr nach Hennigsdorf, dann wurde der Verkehr eingestellt. Die S-Bahnanlagen sind jedoch nicht brach gefallen. Sie werden heute gewerblich durch den Schienenfahrzeughersteller Stadler genutzt. Seit 1987 dient das nicht mehr genutzte Gleis von Hennigsdorf-Nord bis Hohenschöpping als Prüfgleis für neu gebaute Schienenfahrzeuge.

Seit 1998 fährt die Berliner S-Bahn (Linie 25) wieder bis Hennigsdorf. Velten ist bereits seit 1990 darum bemüht, die S-Bahn-Lücke der rund sechs Kilometer langen Strecke zu schließen. Hierzu hatte die Stadt in der Vergangenheit mehrere Erhebungen und Studien in Auftrag gegeben, um Kosten und Nutzen darzustellen und um auf die Notwendigkeit des Anschlusses zur Stärkung Veltens als Wohn- und Arbeitsort hinzuweisen. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Das Vorhaben ist volkswirtschaftlich sinnvoll.

Trotz umfangreich vorliegender Grundlagen und vieler Gespräche haben sich die Maßnahmenträger – das Eisenbahnbundesamt und das Land Brandenburg, vertreten durch das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung – bisher nicht abschließend zum Vorhaben positioniert.

Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn-Berlin GmbH, hatte hingegen bereits im Sommer 2015 erklärt, dass er eine Anbindung Veltens an das S-Bahn-Netz für „sinnvoll“ hält, um die Regionalbahnen zwischen Berlin und Brandenburg zu entlasten.

Hintergrund LNVP

Der Landesnahverkehrsplan (LNVP) wird gemäß ÖPNV-Gesetz des Landes Brandenburg alle fünf Jahre fortgeschrieben. Der aktuelle Landesnahverkehrsplans gilt seit 2013 und noch bis zum Jahr 2017. Am 6. Dezember 2012 hatte der damalige Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft, Jörg Vogelsänger (SPD), im zuständigen Landtagsausschuss das Benehmen zum LNVP 2013 bis 2017 hergestellt.

Darin heißt es: „Insbesondere unter Berücksichtigung des mittlerweile guten und in der Regel schnelleren Regionalverkehrsangebots ergibt sich in überschaubaren Planungszeiträumen für die kostenintensiven infrastrukturellen und betrieblichen Erweiterungen des S-Bahnnetzes keine Notwendigkeit. Das betrifft die Verbindungen nach Falkensee, Velten, Kleinmachnow und Rangsdorf.“ Schon zu dieser Zeit zählte der Haltepunkt Velten zu den Stationen mit dem größten Fahrgastaufkommen.

Gegen die Entscheidung hatte Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) gemeinsam mit vielen Veltenerinnen und Veltenern lautstark protestiert. Auch in den Folgejahren betonte Velten zu vielen Gelegenheiten – zuletzt im Juni in Gegenwart von Infrastrukturministerin Schneider beim Richtfest des Veltener Kommunikationszentrums – die Wichtigkeit der Wiederherstellung des S-Bahn-Anschlusses für die Ofenstadt.


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